Der 1920 von Maria Montessori entwickelte Erdkinderplan diente der Reform der Sekundarstufe. Er fällt in ein Alter (7./8. Klasse) in der sich Kinder, die bisher als Teil der Familie lebten, mental zu Erwachsenen weiterentwickeln die als Teil der Gesellschaft leben müssen. Das Bedürfnis, den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden, steht an erster Stelle. Der Erdkinderplan als "Erfahrungsschule des sozialen Lebens" soll die Selbstständigkeit und die soziale Unabhängigkeit der jungen Heranwachsenden stärken. Es geht um eine Suche nach Orientierung und Halt.
Da der Erdkinderplan in einer von Landwirtschaft geprägten Zeit entwickelt wurde; und Montessori davon ausging, dass die Jugendlichen durch ihre Arbeit auf dem Land und mit der Erde von den Ursprüngen her in ihre Kultur eindringen, sprach Montessori von "Erdkindern".
„Die Arbeit mit der Erde ist der Zutritt zum unbegrenzten Studienweg der Naturwissenschaft und Geschichte“. Entscheidend ist die Vermittlung der Realität des Lebens auf der Basis sozialer Grunderfahrungen. Für die Vorgehensweise gilt: „Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln.“

(Zitate sind Auszüge aus Maria Montessori: Von der Kindheit zur Jugend, Freiburg i.Brsg. 1966)

Vorteile des Erdkinderplans für die Jugendlichen:

  • Praktische Anforderungen und körperliche Anstrengungen erleichtern die Umwälzprozesse in der Pubertät.
  • Das Bedürfnis, echte Verantwortung übernehmen zu dürfen und Herausforderungen zu bestehen, wächst zunehmend.
  • Bestätigung und Anerkennung für ihre Arbeit zu bekommen ist besonders gut möglich, wenn Jugendliche praktisch etwas herstellen und etwas Sichtbares schaffen.
  • An erster Stelle steht das aktive, handelnde Erarbeiten.

Die Jugendlichen arbeiten in freier Initiative, aber nach expliziten oder immanenten Regeln.

Zwei Jahre Erdkinderplan

Im Frühjahr 2018 starteten die ersten Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Erdkinderplans mit dem Ausräumen des bis dahin möblierten Hauses. Möbelstücke, die für gut befunden wurden, sind vorerst eingelagert. Die Schülerinnen und Schüler entfernten Tapeten von Wänden, realisierten einen Durchbruch im Erdgeschoss und schmiedeten Pläne für die Zimmeraufteilung.
Das ehemalige Wohnhaus soll sich zu einem Lernhaus entwickeln, in dem der Unterricht von Naturwissenschaften anhand verschiedener In- und Outdoorstationen praktisch erfahrbar gemacht werden soll. Ein Sinnespfad im Garten, eine Miniphänomenta im Innenbereich, Forschungstationen zum Thema Nachhaltigkeit und Upcycling-Projekte sind erste konkrete Ideen.

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